Spermidin – Zellerneuerung dank Polyamine bremst den Alterungsprozess

Spermidin als Jungbrunnen?

Ständig sucht die Wissenschaft nach Mitteln, die das Leben verlängern können. Eine Substanz, die in Verdacht steht ein solches Mittel zu sein, ist Spermidin. Wie der Name es schon erahnen lässt, findet sich dieser Stoff vor allem im menschlichen Sperma.


Aber keine Panik, nicht nur im Sperma ist Spermidin zu finden, denn im Grunde kommt es eigentlich überall vor. So ist diese Substanz in menschlichen Körperzellen vertreten, aber ebenso in den meisten Nahrungsmitteln.

Allerdings spielt natürlich auch hier die Konzentration eine entscheidende Rolle. Und bevor man jetzt im großen Maßstab Sperma auf seinen Speiseplan setzt, kann man genauso gut Äpfel, Cheddarkäse, Nüsse, Sojabohnen, wie Birnen zu sich nehmen.


Was ist Spermidin genau?

Spermidin ist ein Polyamin. Gleichzeitig handelt es sich bei dieser Substanz um ein Zwischenprodukt, welches bei der Bildung von Spermin aus Putrescin, sowie decarboxyliertem S-Adenosylmethionin entsteht. Durch eine Beschleunigung des Stoffwechsels erhöht sich die Menge an Spermidin im menschlichen Körper. Kommt es hingegen zu einer Verlangsamung dessen sinken die Werte. Außerdem nimmt die Konzentration an körpereigenem Spermidin mit dem Voranschreiten des Alters ab.

Spermidin unterstützt die Autophagie

Ein Biowissenschaftler hat Spermidin bereits an Labormäusen getestet. Das Resultat zeigte, dass diese Substanz den Zellen hilft ihren Müll zu entfernen. Der Fachbegriff dieses Prozesses nennt sich Autophagie. Das heißt, dass Zellen alte oder beschädigte Zellbestandteile entsorgen, wie anschließend recyceln. Auf diese Weise bleibt die Zelle gesund und jung. Je älter ein Mensch allerdings wird, desto stärker kommt die körpereigene Müllabfuhr ins Stottern. So findet sich in einigen Zellen, wie Organen lediglich nur noch eine eingeschränkte Autophagie.

Die Fähigkeit den Abbauprozess durchzuführen, ist eingeschränkt und zeigt sich verlangsamt. Spermidin könnte genau diesen Prozess wieder beleben, was vor allem dem Herz zu Gute kommt. Durch die Zellverjüngung werden die Muskeln des Herzens wieder elastischer und flexibler. Dies ist wichtig, denn auf diese Weise wird der menschliche Körper wieder bestmöglich mit Blut und Sauerstoff versorgt.

Spermidin als Wunderwaffe gegen Alzheimer?

Spermidin ist ein körpereigenes Stoffwechselprodukt. Mit dem Älterwerden nimmt die Menge dieser Substanz allerdings im Körper ab. In hohen Mengen, kommen Spermidin aber ebenfalls Weizenkeimen, Sojabohnen und anderen Lebensmitteln vor. Experten haben festgestellt, dass dieser Stoff auch das menschliche Gehirn positiv beeinflusst, denn Studien haben gezeigt, dass Einnahmen zu einer verbesserten Gedächtnisleistung führen können.

Auch hier vermuten die Experten, dass das Spermidin den Autophagie-Prozess unterstützt bzw. steigert. Das heißt, der Müll wird wieder besser aus den Zellen beseitigt. Zum sogenannten Zellmüll zählen auch Eiweißstoffe, wie tau-Protein oder Amyloid beta. Beide Stoffe begünstigen bekanntlich Demenz. So sorgt Amyloid beta dafür, dass dieses zwischen den Nervenzellen verklumpt, während das tau-Protein sich in den Zellen direkt ansammelt. Demnach können Informationen nur noch schlecht von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergeleitet werden. Werden hingegen die Autophagie-Prozesse angeregt, verhindert das Spermidin, dass es zu m Verklumpen kommt.

Hinzu kommt, dass Spermidin ein sogenannter Kalorienreduktions-Mimetikon ist. Diese bildet der menschliche Körper beim Abnehmen, allerdings ist es ebenso möglich diese über die Nahrung aufzunehmen. So wird dem Körper eine Fastenzeit vorgetäuscht. Dieser Clou soll, wie bereits erwähnt, das Altern verlangsamen. Substanzen mit einem ähnlichen Effekt findet man aber ebenso in Trauben, sowie grünem Tee.


Wo ist Spermidin enthalten?

Nicht nur in jeder Körperzelle ist Spermidin zu finden. Auch in zahlreichen Lebensmitteln ist dieser Stoff in hoher Konzentration vertreten. So enthalten Grapefruits, Weizenkeime, Sojabohnen, beispielsweise, diesen Stoff. Auch in traditionell asiatischen Heilpflanzen, wie Durian oder Madelpilz findet sich außerdem diese wertvolle Substanz. Es gibt aber auch Lebensumstände, die dazu führen können, dass die Spermidin-Werte im menschlichen Körper wieder ansteigen.

So kommt es, beispielsweise, während einer Schwangerschaft, während des Wachstums, sowie bei der Reparatur von Muskelzellen nach starker körperlicher Belastung zu einem Anstieg dieses Stoffs. Gleiches geschieht außerdem bei der Regeneration von Blutkörperchen nach einem Blutverlust oder durch eine Blutarmut, sowie nach längeren Aufenthalten in höheren Regionen.

Wer jetzt allerdings glaubt, dass er durch regelmäßige Sporteinheiten, sowie einer Sojabohnen-Grapefruit-Weizenkeim-Diät oder durch entsprechende Nahrungsergänzungsmittel wesentlich länger lebt, der irrt sich leider. Auch diese körpereigene Substanz kann schnell zu hoch dosiert werden, so dass es zu negativen Effekten kommen kann. Zu viel Spermidin ist auch nicht gut und kann für chronische Entzündungen der Leber, Gelenke, des Darms oder der Haut führen. Wie viel Spermidin demnach gut für den Menschen ist, muss erst noch geklärt werden.

Spermidin erhöht die Fruchtbarkeit

Auch in Graz haben Biowissenschaftler bemerkenswertes über Spermidin herausgefunden. So zeigten Untersuchungen, dass diese Substanz die Stressresistenz von weiblichen Fliegen erhöht. Bei Hefen, wie Würmern hingegen kam es zu einer erhöhten Fruchtbarkeit. Hefezellen, die demnach während des Versuchs in einem spermidinreichen Medium kultiviert wurden, lebten vier Mal länger.

Menschliche Immunzellen hingegen drei Mal länger. Die Fruchtfliegen und Würmer, die dagegen eine spermidinreiche Kost erhielten, hatten eine um 30% verlängerte Lebenszeit, als zuvor. Gleiches gilt außerdem bei den Versuchen an Mäusen. Auch die Nagetiere zeigten weniger Alterserscheinungen und lebten signifikant länger. So erhielten die Labormäuse das Spermidin über das Trinkwasser.

Ein großer Pluspunkt bei diesem Kleinmolekül ist, dass es enorm stabil ist. Es kann oral zum Einsatz kommen und dennoch kommt die Substanz in allen Organen unverändert an. Spermidin wird demnach nicht von der Magensäure zerlegt.


Fazit: Spermidin ist demnach ein körpereigener Stoff, der nicht nur allein im Sperma zu finden ist. Im Grunde ist diese Substanz überall im menschlichen Körper vertreten. Mit dem Älterwerden nimmt die Konzentration dieses Stoffs aber fast automatisch ab. In Weizenkeimen, Sojabohnen, Cheddar Käse, Grapefruit und einigen anderen Nahrungsmitteln ist Spermidin aber ebenfalls vertreten. Laut zahlreicher Experten ist diese Substanz fähig die Autophagie im menschlichen Körper zu unterstützen. Außerdem soll Spermidin verjüngend wirken, indem es lebensverlängert wirkt und die Fruchtbarkeit erhöht.

Bislang zeigten Versuche an Mäusen, Fruchtfliegen, Würmern, wie Hefezellen, dass die Zugabe von Spermidin viele positive Effekte beschert. Dennoch sind die komplexen Eigenschaften dieses Kleinmoleküls noch nicht gänzlich geklärt. So steht zwar fest, dass eine orale Einnahme dieses Stoffs unverändert in allen Organen ankommt, wie viel Spermidin aber nötig ist, um lebensverlängernd zu wirken, ist noch unklar. Zu große Mengen dieser Substanz bewirken außerdem vermutlich das Gegenteil, so dass es zurzeit lediglich sinnvoll ist, die Spermidin-Werte im Körper mit entsprechenden Nahrungsmitteln zu erhöhen. Weizenkeime, getrocknete Sojabohnen, wie Cheddar Käse enthalten diesen wertvollen Stoff.

Literatur

  • Jessen, F., Wolfsgruber, S., Wiese, B., Bickel, H., Mosch, E., Kaduszkiewicz, H., Pentzek, M., Riedel-Heller, S.G., Luck, T., Fuchs, A., Weyerer, S., Werle, J., van den Bussche, H., Scherer, M., Maier, W., Wagner, M. German Study on Aging, C., Dementia in Primary Care, P. 2014. AD dementia risk in late MCI, in early MCI, and in subjective memory impairment. Alzheimers Dement 10(1),
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  • Wirth M., Schwarz C., Benson G., Köbe T., Stekovic S., Madeo F., Flöel A. High-dose spermidine supplementation to improve episodic memory in individuals with subjective cognitive decline: proof-of-concept study. 1st International Conference on Cognitive Reserve in the Dementias (ResDem) in Munich on 24–25 November 2017.
  • Witte, A.V., Kerti L., Margulies D.S., Flöel A. Effects of resveratrol on memory performance, hippocampal functional connectivity, and glucose metabolism in healthy older adults. J Neurosci. 2014 Jun 4;34(23):7862–70. doi:10.1523/JNEUROSCI.0385-14.2014.
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Robert Milan

Der Autor: - Seit 2005 Experte im Bereich gesundheitliche Ernährung und Nahrungsergänzung. Wenn er nicht mit seinem Wohnmobil unterwegs ist zählen Fotografieren und Fitnesstraining zu seinen Hobby's. Robert ist Administrator einer eigenen Facebook Gruppe zum Thema Diäten und abnehmen.

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