More Nutrition: Hype oder Risiko?

More Nutrition sorgt mit Chunky Flavour, Protein-Pizza und Drinks wie dem Iced Coffee Hazelnut Crispy Cream für Begeisterung in sozialen Netzwerken. Influencer bewerben die Produkte als Lösung für Heißhunger, Muskelaufbau oder sogar Kinderwunsch. Hinter dem Hype steckt die Marke The Quality Group, die mit zuckerreduzierten Lebensmitteln Millionen verdient. Doch was steckt wirklich in den Produkten? Und sind sie gesund oder riskant? Ein genauer Blick auf Inhaltsstoffe, Marketingstrategien und Kritik zeigt ein differenziertes Bild.

Das Wichtigste in Kürze

  • More Nutrition vermarktet Proteinprodukte, Nahrungsergänzungsmittel und Geschmackspulver.
  • Influencer-Marketing treibt den Hype und beschert dem Unternehmen hohe Gewinne.
  • Kritik richtet sich an Inhaltsstoffe wie Sucralose sowie an überhöhte Proteinempfehlungen.
  • Studien und Behörden bewerten viele Gesundheitsversprechen skeptisch.
  • Verbraucherzentralen und Foodwatch haben Klagen wegen irreführender Werbung eingereicht.

Sind die Produkte von More Nutrition gesund oder riskant?

More Nutrition bietet kalorienreduzierte Alternativen, setzt jedoch stark auf Süßstoffe und Marketing. Experten warnen vor möglichen Risiken und sehen viele Werbeversprechen kritisch.

Hype durch Influencer

Auf Instagram und TikTok sind die Produkte von More Nutrition allgegenwärtig. Influencer posten Rezepte mit Chunky Flavour, Cookie Dough oder Zerup und berichten von angeblichen Erfolgen beim Abnehmen oder beim Aufbau von Muskelmasse. Teilweise gehen die Versprechen noch weiter und umfassen gesundheitliche Effekte bei Verdauungsproblemen oder der Fruchtbarkeit. Dieses Marketing funktioniert, weil Influencer eine enge Beziehung zu ihren Follower pflegen.

Rabattcodes und persönliche Erfahrungsberichte verstärken das Vertrauen. Laut einer ZEIT-Recherche kooperiert More mit über 100 Influencer. Für The Quality Group ist das ein lukratives Geschäft: 2021 lag der Gewinn bei über 40 Millionen Euro, 2022 immerhin noch bei 28 Millionen. Diese Zahlen zeigen, dass die Reichweite und Überzeugungskraft der Community-Kampagnen enorme Wirkung entfalten. Kritiker sehen darin jedoch ein Risiko, weil persönliche Geschichten in den Vordergrund gestellt werden, während wissenschaftliche Belege fehlen.

Die Produktpalette von More

More Nutrition bietet eine breite Palette von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln an. Das bekannteste Produkt ist das Chunky Flavour, ein Geschmackspulver zum Süßen von Joghurt, Quark oder Gebäck. Daneben gibt es Proteinprodukte wie Pizza, Wraps, Milchreis, Riegel und Getränke. Nahrungsergänzungsmittel wie „Cycle Balance“ sollen die Hormonbalance unterstützen, während „Crave No More“ Heißhungerattacken mindern soll.

More Nutrition: Hype oder Risiko?
More Nutrition: Hype oder Risiko?

Auch Getränke-Sirupe, Marmeladen und Gewürzmischungen gehören zum Sortiment. Das Unternehmen wirbt mit dem Slogan „Genuss ohne Kompromisse“ und verspricht, gesunde Ernährung mit Geschmack zu verbinden. Zielgruppe sind Menschen, die abnehmen oder sich bewusst ernähren wollen. Angesichts hoher Übergewichtsraten in Deutschland klingt das attraktiv. Doch bleibt die Frage, ob die Produkte mehr sind als geschicktes Marketing.

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Proteine und Ernährungs-Empfehlungen

Ein zentrales Verkaufsargument von More ist die hohe Proteinzufuhr. Das Unternehmen empfiehlt zwei Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich – eine Menge, die deutlich über den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt. Die DGE gibt 0,8 Gramm pro Kilogramm an, für Sportler:innen oder Schwangere etwas mehr. Studien zeigen, dass eine erhöhte Proteinzufuhr kurzfristig beim Abnehmen helfen kann, der Effekt aber nach wenigen Monaten nachlässt. Zudem sind die meisten Menschen in Deutschland ohnehin ausreichend mit Protein versorgt, wie die Nationale Verzehrstudie belegt. Die zusätzliche Zufuhr durch Pulver und Riegel ist deshalb in vielen Fällen überflüssig.

Ernährungswissenschaftler warnen, dass Überdosierungen langfristig Nieren und Stoffwechsel belasten können. More beruft sich dagegen auf einzelne Stimmen wie den Arzt Peter Attia. Der Widerspruch zwischen offiziellen Empfehlungen und Marketing-Versprechen zeigt, wie umstritten die Produkte sind.

Inhaltsstoffe und Chunky Flavour im Test

Das ZDF-Format „Besseresser“ hat Chunky Flavour untersucht. Das Pulver soll Zucker und Kalorien einsparen und verspricht eine Süßkraft wie 50 Gramm Zucker pro Portion. Hauptbestandteil ist Inulin, ein Ballaststoff, der bei empfindlichen Personen Blähungen und Durchfall auslösen kann. Hinzu kommen Aromen, Fruchtpulver, Sucralose und Steviolglykoside. Zwar lassen sich mit Chunky Flavour Kalorien einsparen, doch die oft genannten 200 Kilokalorien-Ersparnis sind nur in sehr großen Mengen realistisch.

Fachleute kritisieren zudem, dass das Produkt das Verlangen nach Süßem nicht reduziert, sondern sogar verstärken kann. Damit wird ein Kernproblem der Ernährung nicht gelöst. Während More Chunky Flavour auch zum Backen empfiehlt, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung vor der Erhitzung von Sucralose über 120 Grad. Diese könnte potenziell krebserregende Stoffe freisetzen. Verbraucher:innen stehen damit vor einem Widerspruch zwischen Werbebotschaft und wissenschaftlicher Einschätzung.

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Kritik an Sucralose und Umweltfolgen

Sucralose ist eines der am häufigsten genutzten Süßungsmittel bei More Nutrition. Es ist kalorienfrei, aber gesundheitlich nicht unumstritten. Studien deuten an, dass sich beim Erhitzen schädliche Verbindungen bilden könnten. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA will im Sommer 2025 dazu eine Stellungnahme veröffentlichen. Neben gesundheitlichen Risiken ist auch die Umwelt betroffen.

Das Spurenstoffzentrum des Bundes stufte Sucralose als schwer abbaubar ein. Es gelangt in Flüsse und belastet Wasserorganismen. Kritiker:innen sehen darin ein ökologisches Problem, das in der Vermarktung von More keine Rolle spielt. Wissenschaftsjournalist:innen werfen dem Unternehmen zudem vor, Risiken kleinzureden und wissenschaftliche Erkenntnisse selektiv auszuwerten. So entsteht der Eindruck, dass die Marke Forschung nur insoweit aufgreift, wie sie ins eigene Marketing passt.

Rechtsstreitigkeiten und falsche Werbeversprechen

In den letzten Jahren musste sich More Nutrition mehrfach wegen irreführender Werbung verantworten. Bereits 2022 verklagte der Bundesverband der Verbraucherzentralen das Unternehmen wegen unzulässiger Health Claims bei einem Melatonin-Produkt. 2023 kritisierten ZDF Magazin Royale und Strg_F die Marketingmethoden. 2024 folgten weitere Klagen: Die Verbraucherzentrale NRW sah die Werbeaussagen für eine Backmischung als irreführend an, weil Vergleichswerte fehlten.

Foodwatch reichte ebenfalls Klage ein und warf More vor, insbesondere junge Frauen mit Heilsversprechen zum Kauf zu bewegen. Der Vorwurf: Erfahrungsberichte und industriefinanzierte Studien werden genutzt, um die Wirksamkeit zu belegen, ohne dass unabhängige Beweise vorliegen. Diese Vorfälle zeigen, dass hinter der Erfolgsgeschichte von More Nutrition ein rechtlich umstrittenes Marketing steht. Für Verbraucher:innen bedeutet das: Vorsicht bei zu guten Versprechen.

Fazit

More Nutrition steht für Lifestyle, Community und schnelle Erfolge beim Abnehmen. Doch hinter dem Hype steckt eine Mischung aus geschicktem Influencer-Marketing, umstrittenen Inhaltsstoffen und juristisch fragwürdigen Werbeversprechen. Während Produkte wie Chunky Flavour kurzfristig helfen können, bleibt das Risiko gesundheitlicher und ökologischer Nebenwirkungen. Wer langfristig gesund leben möchte, fährt mit einer ausgewogenen Ernährung besser. Der Hype zeigt vor allem, wie stark soziale Medien Konsumverhalten beeinflussen – und warum kritisches Hinterfragen wichtiger ist als Rabattcodes.

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