Warnung: Abnehmspritze kann Augen schädigen

Eine neue Studie weckt Besorgnis über die Sicherheit von Semaglutid, dem Wirkstoff in beliebten „Abnehmspritzen“ wie Ozempic und Wegovy. Forschende fanden Hinweise, dass die Medikamente mit einer seltenen Augenerkrankung namens NAION in Verbindung stehen könnten, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führt. Besonders alarmierend: Das Risiko scheint bei Diabetikern und stark Übergewichtigen deutlich erhöht zu sein – vor allem im ersten Jahr der Anwendung. Experten fordern, dass Patienten vor Therapiebeginn umfassend über diese mögliche Nebenwirkung informiert werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Semaglutid (Ozempic, Wegovy) könnte das Risiko für NAION erhöhen.
  • NAION kann zu dauerhaftem Sehverlust oder Erblindung führen.
  • Risikoanstieg: 4-fach bei Diabetikern, 7-fach bei Übergewichtigen.
  • Höchstes Risiko im ersten Jahr der Behandlung.
  • EMA listet NAION nun offiziell als sehr seltene Nebenwirkung.

Kann die Einnahme von Semaglutid zu Sehverlust führen?

Laut aktueller Studien könnte Semaglutid das Risiko für die Augenerkrankung NAION deutlich erhöhen, die in seltenen Fällen zur Erblindung führt.

Ärzte schlagen Alarm: Erste Beobachtungen zu Sehverlust

Im Spätsommer 2023 fiel Studienleiter Dr. Joseph Rizzo auf, dass innerhalb einer Woche drei Patienten in seiner Praxis plötzlich Sehverlust durch NAION erlitten – und alle nahmen Semaglutid. Dieses Muster alarmierte den Mediziner so sehr, dass er gemeinsam mit der Harvard Medical School eine umfangreiche Analyse startete. Millionen Menschen weltweit spritzen sich mittlerweile den Wirkstoff, doch mit wachsender Nutzung mehren sich Berichte über Nebenwirkungen. Die Ergebnisse stützen die Vermutung, dass Semaglutid mit dem Auftreten von NAION zusammenhängen könnte. Ärzte fordern deshalb eine genauere Risikoaufklärung vor Therapiebeginn.

Studienergebnisse: Erhöhtes Risiko bei Diabetikern und Übergewichtigen

Die Untersuchung von 16.827 Patienten zeigte: Bei Diabetikern lag das NAION-Risiko unter Semaglutid bei 8,9 %, während andere Diabetesmedikamente nur 1,8 % aufwiesen. Übergewichtige, die Semaglutid zur Gewichtsreduktion nutzten, hatten sogar ein siebenmal höheres Risiko als Vergleichspersonen (6,7 % vs. 0,8 %). Besonders hoch war die Gefahr im ersten Jahr nach Therapiebeginn. Diese Werte lassen Ärzte aufhorchen, auch wenn NAION insgesamt selten auftritt. Die Autoren betonen, dass diese Daten ein deutliches Warnsignal darstellen, das in klinische Entscheidungen einfließen sollte.

Einschränkungen der Studie und Forschungsbedarf

Rizzo und sein Team weisen darauf hin, dass die Ergebnisse zwar statistisch signifikant, aber vorläufig sind. Die Studie beweist nicht, dass Semaglutid direkt NAION verursacht. Unklar ist auch, warum das Risiko zwischen Diabetikern und Übergewichtigen unterschiedlich ausfällt. Mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Bluthochdruck, Schlafapnoe oder Herzkrankheiten wurden zwar berücksichtigt, könnten aber nicht alle Zusammenhänge erklären. Weitere Forschung ist notwendig, um die biologischen Mechanismen zu verstehen und herauszufinden, wie sich das Risiko minimieren lässt.

Warnung: Abnehmspritze kann Augen schädigen
Warnung: Abnehmspritze kann Augen schädigen

Große Datenanalyse: Bestätigung für sehr seltene, aber relevante Nebenwirkung

Eine ergänzende Untersuchung mit 1,5 Millionen Diabetespatienten verglich GLP-1-Medikamente wie Semaglutid und Tirzepatid mit anderen Antidiabetika. Das Ergebnis: Innerhalb von zwei Jahren entwickelten 0,04 % der GLP-1-Nutzer NAION, verglichen mit 0,02 % in der Kontrollgruppe. Das relative Risiko lag 76 % höher. Diese absoluten Zahlen verdeutlichen, dass die Nebenwirkung zwar selten ist, aber im Verhältnis signifikant zunimmt. Die EMA bewertet NAION deshalb als „sehr seltene Nebenwirkung“ (bis zu 1 von 10.000 Behandelten) und fordert eine entsprechende Kennzeichnung in den Beipackzetteln.

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NAION: Krankheitsbild und Verlauf

NAION (nicht-arterielle ischämische Optikusneuropathie) ist nach dem Glaukom die zweithäufigste Ursache für Sehnervenblindheit und die Hauptursache für plötzliche Erblindung. Sie tritt bei etwa 10 von 100.000 Menschen auf. Ursache ist vermutlich eine Minderdurchblutung des Sehnervenkopfes, die zu einem Papilleninfarkt führt. Der Sehverlust ist schmerzlos, entwickelt sich über Tage und ist meist irreversibel. Eine Heilung gibt es derzeit nicht. In seltenen Fällen bessert sich die Sehkraft von selbst. Risikofaktoren sind unter anderem Bluthochdruck, Diabetes und Schlafapnoe – Erkrankungen, die auch bei vielen Semaglutid-Nutzern vorliegen.

Patientenperspektive: Nebenwirkungen und persönliche Entscheidungen

Der Erfahrungsbericht von Serdar Deniz zeigt, wie individuelle Risiken und Nebenwirkungen die Therapiewahl beeinflussen. Nach anfänglichen Abnehmerfolgen mit Ozempic bemerkte er nicht nur Übelkeit, sondern auch, dass die Dosis stetig erhöht werden musste, um weiter Gewicht zu verlieren. Aus Sorge vor unbekannten Langzeitfolgen und ohne medizinische Notwendigkeit setzte er das Medikament ab. Solche persönlichen Erfahrungswerte können in der Arzt-Patienten-Kommunikation wertvoll sein, um Nutzen und Risiken der Behandlung realistisch abzuwägen.

Fazit
Die neuen Studienergebnisse werfen ein kritisches Licht auf Semaglutid. Auch wenn NAION eine seltene Nebenwirkung ist, sollte sie in der ärztlichen Beratung klar thematisiert werden – vor allem bei Risikopatienten. Die Forschung steht noch am Anfang, doch Vorsicht und Aufklärung sind jetzt entscheidend. Wer Semaglutid nutzt, sollte auf erste Sehstörungen achten und umgehend ärztlichen Rat suchen.

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